Architekturprojektprozess: Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung von der Idee bis zur Umsetzung
Ein Architekturprojekt ist nicht nur „eine schöne Zeichnung“. Es ist erfolgreich, wenn Anforderungen sauber definiert sind, das Budget gesteuert wird, Fachplanungen koordiniert werden und die Ausführung auf der Baustelle konsequent überwacht wird. Dieser Leitfaden bietet eine klare und praxisnahe Roadmap von der ersten Idee bis zur schlüsselfertigen Übergabe.1) Bedarfsermittlung und Briefing
Alles beginnt mit den richtigen Fragen. Wenn Umfang, Ziele und Randbedingungen nicht zu Beginn klar sind, sind Kosten- und Terminabweichungen nahezu vorprogrammiert.
In dieser Phase zu klären:
- Nutzung der Fläche (Wohnen, Büro, Laden, Spa usw.)
- Nutzerprofil und Alltagsszenario
- Fläche, Raumanzahl und Funktionsprogramm
- Stilwunsch (modern, klassisch, Japandi usw.)
- Budgetrahmen und Prioritäten (z.B. Küche zuerst, Fassade später)
- Zeitziele (Übergabetermin, Umzugsplan)
- Bestandssituation (Sanierung oder Neubau, rechtliche/technische Einschränkungen)
Ergebnis: schriftliches Briefing + vorhandene Pläne/Fotos + Zielbudget und grober Terminplan.
2) Bestandsaufnahme, Aufmaß und Analyse
Gerade bei Sanierungen eine Schlüsselphase. Aufmaßfehler und später entdeckte TGA-/Tragwerksprobleme können das gesamte Konzept beeinflussen.
Wesentliche Prüfungen:
- Exakte Maße, Höhen und Lage von Stützen/Wandscheiben (falls vorhanden)
- Elektro- und Haustechnik-Infrastruktur (Abwasser, Trinkwasser, Lüftung)
- Feuchtigkeit, Risse und Unebenheiten
- Vorgaben aus Baurecht/Genehmigungen (Brandwände, Gemeinschaftsflächen usw.)
Ergebnis: Bestandsplan (as-built) + Risikoliste (mögliche Überraschungen).
3) Konzeptplanung (Ideenentwicklung)
Das Konzept definiert Charakter und Gestaltungssprache. Ziel sind die richtige Grundrisslogik und Atmosphäre, bevor technische Details vertieft werden.
Typische Inhalte:
- Grundrissvarianten
- Erschließung und Wegeführung (Eingang - Wohnen - Privat)
- Hauptentscheidungen zu Material und Farbe
- Lichtkonzept und Gesamtstimmung
- Funktionale Optimierung (Stauraum, Ergonomie)
Ergebnis: 1-3 Grundrissoptionen + Moodboard + grobe 3D-Visualisierungen.
4) Vorplanung / Entwurfsplanung (Konsolidierung)
In dieser Phase werden Entscheidungen festgezurrt. Der Entwurf wird auf eine Richtung fokussiert und die Koordination mit TGA beginnt.
Typischerweise festgelegt:
- Finaler Grundriss und Raumfunktionen
- Lage von Wänden/Türen und klare Wegeführung
- Küchen- und Badplanung (abgestimmt auf Leitungen)
- Möbelmaße und Grundmöblierung
- Vorläufige Mengenermittlung und Kostenschätzung
Ergebnis: finaler Plan + grundlegende Schnitte/Ansichten + aktualisierte Budgetschätzung.
5) Ausführungsplanung (Technische Pläne und Details)
Die Ausführungsplanung ist der Planstand, mit dem auf der Baustelle ohne Interpretationsspielraum gearbeitet werden kann. Sie ist die Basis für Qualität.
Typische Planinhalte:
- Bemaßte Grundrisse
- Schnitte und Ansichten
- Tür-/Fensterdetails (falls erforderlich)
- Boden-, Decken- und Lichtpläne
- Küchen-/Bad-Details und Schreinerzeichnungen
- Material- und Produktliste (Spezifikation)
Ergebnis: baustellentauglicher Plansatz + Spezifikationen + klare Unterlagen für Angebote.
6) Mengenermittlung, Kostenplan und Budgetfixierung
Budgetabweichungen entstehen häufig durch späte Entscheidungen und fehlende Mengenermittlung. Mengen definieren die Leistung, der Kostenplan ordnet Preise zu.
So bleibt das Budget im Griff:
- Jeden Posten getrennt erfassen (Fliesen m², Malerarbeiten m², Schreinerei lfm usw.)
- Variantenpreise anfragen (Option A / Option B)
- Arbeitsleistung und Material getrennt ausweisen lassen
- Baustellennebenkosten berücksichtigen (Transport, Schutz, Reinigung, Entsorgung usw.)
Ergebnis: detailliertes Budget + Beschaffungsplan + Entwurf Zahlungsplan.
7) Angebotsphase und Auswahl der Ausführenden
Die Teamwahl ist entscheidend. Das günstigste Angebot kann am Ende das teuerste Ergebnis sein.
Worauf achten:
- Referenzen und realistische Fotos
- Terminplan und Dauer (wie viele Tage?)
- Gewährleistung (was und wie lange?)
- Ist der Leistungsumfang klar? Gibt es „inklusive/exklusive“?
- Vertragsklauseln (Pönalen, Nachtragsprozess, Zahlungsplan)
Ergebnis: ausgewählter Auftragnehmer + unterschriebener Vertrag + Bauzeitenplan.
8) Baustelleneinrichtung und Start
Vor Beginn muss Baustellendisziplin geschaffen werden. Gute Organisation reduziert Probleme im weiteren Verlauf deutlich.
Zu Beginn wichtig:
- Übergabeprotokoll
- Schutzmaßnahmen (Böden, Aufzug, Gemeinschaftsbereiche)
- Lager- und Logistikplan
- Arbeitssicherheitsmaßnahmen
- Musterfreigaben (Fliesen, Bodenbelag, Farbton usw.)
Ergebnis: Baustart + freigegebene Muster + klare Arbeitsreihenfolge.
9) Bauüberwachung, Qualitätskontrolle und Änderungsmanagement
Ein scheinbar kleiner Fehler kann später hohe Kosten verursachen. Überwachung stellt die Übereinstimmung mit dem Entwurf sicher und erkennt Fehler früh.
Kritische Kontrollpunkte:
- Abdichtung und Gefälle (insbesondere Bäder)
- Leitungsführung und Positionen von Geräten
- Ebenheit und Estrichqualität
- Fliesenverlegung (Fugenbild, Nivellierung)
- Schreinermaße und Montagetoleranzen
- Lichtauslässe sowie Schalter-/Steckdosenpositionen
Änderungsmanagement: Änderungen müssen mit Mehrkosten und Terminwirkung schriftlich dokumentiert werden.
10) Endabnahme, Übergabe und Gewährleistung
Übergabe bedeutet nicht nur Schlüsselübergabe. Mit Checkliste werden Mängel und Restleistungen dokumentiert und ein Abnahmeprotokoll unterschrieben.
Beispiele für Checklistenpunkte:
- Justierung Türen/Fenster und Schlösser
- Maloberflächen (Spuren, Welligkeit, Risse)
- Fliesen-/Fugenbild und Silikonfugen
- Elektroprüfung (FI/RCD, Beleuchtung)
- Sanitärprüfung (Dichtheit, Durchfluss)
- Justierung Möbelfronten, Auszüge/Scharniere
Ergebnis: Abnahmeprotokoll + Gewährleistungsunterlagen + Pflegehinweise.
5 häufige kritische Fragen
1) Kann man ohne Architekturprojekt bauen?
Ja, aber das Risiko für Mehrkosten, Qualitätsverlust und permanente Änderungen steigt stark.
2) Wo entstehen die meisten Budgetabweichungen?
Bei Leitungsänderungen, Nassbereichen, Schreinerarbeiten/Möblierung und Positionen, die als „inklusive“ angenommen wurden.
3) Was ist die größte Überraschung bei Sanierungen?
Verdeckte Leitungsprobleme, Feuchtigkeit, Gefälle und die Lage tragender Bauteile.
4) Ist Ausführungsplanung notwendig?
Ja, wenn Qualität und Tempo wichtig sind - besonders bei Bad, Küche und Schreinerdetails.
5) Wie schützt man den Terminplan?
Durch klare Arbeitsreihenfolge, rechtzeitige Beschaffung und schriftliches Änderungsmanagement.
Fazit
Der Architekturprozess ist eine Kette: starkes Briefing, Entwicklung über Konzept-Entwurf-Ausführung, Kontrolle durch Mengen und Budget und Erfolg durch konsequente Bauüberwachung. Schwächelt ein Glied, leiden Zeit, Kosten und Qualität gleichzeitig.
-
architektonischer Projektablauf
-
Phasen der architektonischen Planung
-
Konzeptentwurf
-
Ausführungsplanung
-
architektonische Zeichnung
-
Baugenehmigungsprojekt
-
Architekturleitfaden
-
Bauprozess




